Unvollständig verschlossenes Tracheostoma – was ist zu beachten?

Wenn im Rahmen des Trachealkanülenmanagements eine Dekanülierung erfolgreich durchgeführt werden konnte, bleibt die Frage nach dem Tracheostoma.

Das Tracheostoma meines Patienten ist offen (keine Kanüle oder Platzhalter) aber sehr klein. Der HNO-Arzt war sehr zufrieden mit seinem Zustand und fragt ob ich nun mit einer Sprechtherapie anfangen kann. Was muss ich bei der Therapie beachten?

Tracheotomie

Ein Tracheostoma ist eine Öffnung der Luftröhre nach außen. Angelegt wird ein solches Loch im Rahmen einer Tracheotomie. Entscheidend ist für die Beantwortung der Frage, auf welche Art die Tracheotomie durchgeführt wurde.

Es gibt grundsätzlich drei Arten von Tracheotomien.

  1. Punktion bzw. Delatation
    dabei wird zunächst mit einer Spritze ein kleines Loch von außen bis in die Trachea gestochen und dieses dann mit Hilfe eines Dilatator oder Spreizers aufgedehnt, bis eine Trachealkanüle eingeführt werden kann.
  2. konventionelle Tracheotomie
    die Öffnung der Luftröhre erfolgt je nach Technik dabei durch einen kleinen Schnitt. Dabei wird aus der Trachea und den darüber liegenden Hautschichten ein kleiner „Lappen“ heraus geklappt.
  3. plastische Tracheostomie
    sie wird durchgeführt wie eine konventionelle Tracheotomie, allerdings werden die Wundränder und der Spalt in der Trachea miteinander vernäht, so dass ein stabiles Stoma entsteht.

Bei der Dilatation bzw. Punktionstracheotomie ist das Stoma nicht stabil. Die Wundränder liegen an der Trachealkanüle an. Sobald die Trachealkanüle entfernt wurde, zieht sich das Stoma schnell zusammen. Dies geschieht u.U. innerhalb von Minuten.

Bei den konventionellen Tracheotomien und der plastischen Tracheostomie sind die Wundränder deutlich stabiler. Ganz besonders bei letzterer. Ein autonomer Verschluss nach einer Dekanülierung ist unwahrscheinlich.

Tracheostoma verschließen

dekanuelierungsschema_verschluss

In Bezug auf den Verschluss des Tracheostomas gilt, dass bei einer Punktion nach dem Dekanülieren abgewartet wird, ob sich das Stoma von selbst komplett verschließt. Sollte dies nicht der Fall sein, es also zu einer Fistelbildung kommen, dann wird das Stoma operativ verschlossen. Plastisch angelegte Stomata werden immer operativ verschlossen, da ein spontaner Verschluss durch die vernähten Wundränder nicht möglich ist. Aber auch ein Stoma einer plastischen Tracheostomie wird von allein kleiner.

Das passt:  Gos und Nogos beim Absaugen

bis zum operativen Verschluss

Es gibt keine festgelegten Zeiten, ab wann ein operativer Verschluss notwendig ist, ob also zwei Wochen oder einen Monat abgewartet wird, wie weit sich ein Stoma von selbst verschließt. Aber man muss sich beim Umgang mit dem Stoma vor Augen halten, dass es sich um einen unnatürlichen und zudem unnötigen Zustand handelt. Ein belassenes Tracheostoma stellt immer ein Risiko dar.

Zwar wird ein inkomplett verschlossenes Tracheostoma mit einem Pflaster abgedeckt. Durch den Luftdruck bei der Exspiration kommt es allerdings oft vor, dass sich das Pflaster löst. Zudem bietet es keinen echten Verschluss, beim Husten zum Beispiel verliert der Patient hier unnötig Druck, der für die Reinigung der Trachea nötig wäre.

Daher sollte im Rahmen einer Dysarthrophonie-Therapie und beim Husten das Tracheostoma mit einem Finger oder der Hand zusätzlich abgedichtet werden. Patienten brauchen im Allgemeinen nicht lange, bis sie den besten Punkt für die Platzierung des Fingers an ihrem Hals gefunden haben. Kräftiges Ausatmen hilft dabei, indem man gemeinsam mit dem Patienten probiert, solange bis keine Luft mehr aus dem Stoma entweicht. Dann hat man den idealen „Druckpunkt“ gefunden. Je nach Größe des Stomas kann es sein, dass der Patient auch mehrere Finger oder die ganze Hand vor das Stoma halten muss.

Wichtig

Für die Therapie ergeben sich durch den Verlust von Luft bei der Exspiration unterschiedliche Einschränkungen.

Im Rahmen einer Stimmtherapie helfen alle Atemübungen und Stimmkräftigungen nichts, wenn durch das Stoma Luft entweicht. Bei kompensatorischen Schluckmustern wie dem supraglottischen Schlucken verliert der Patient u.U. durch das Stoma den nötigen Druck für ein effektives Manöver.

Das passt:  Wie wird ein Tracheostoma verschlossen?

Merke!

Wenn eine Trachealkanüle erfolgreich entfernt wurde, wird das Tracheostoma nicht mehr benötigt und muss verschlossen werden!

Leider werden Patienten mit Trachealkanüle, die nicht mehr in Reha-Kliniken oder Akutkrankenhäusern untergebracht sind, oft sehr vernachlässigt. Hier gilt es, auch bei Ärzten und Pflegenden viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Verschluss eines Tracheostomas? Wie lang sind deiner Erfahrung nach die Zeiträume von der Dekanülierung bis zum Verschluss?

Antworten sind da, um geteilt zu werden!Email this to someone
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10 Kommentare

  1. Meine Frau hat ein Tracheostoma 8/2011 bekommen. Seit 1/2012 hat sie keine Kanüle mehr. Das Tracheostoma hat sich nicht von selbst verschlossen, zudem hatte sie aus dem Krankenhaus MRSA. Gegen Ende 2012 haben wir darauf gedrängt die Wunde operativ zu verschließen. Das wurde getan, dabei wurden im Krankenhaus bei der Nachversorgung aber Fehler gemacht, so dass ein Hautemphysem im Gesicht auftrat. Daraufhin hat man die frische Naht drei Stiche geöffnet, ohne Erfolg. Man hat dann die Öffnung so belassen und diese ist bis heute 2/2014 vorhanden; allerdings ist die Haut darüber nun fast zu (mikroskopisch kleines Loch). Die Haut verwachsen, die Öffnung in der Luftröhre augenscheinlich vorhanden, so soll der Zustand ärztlicherseits nun bleiben. Wenn es Ratschläge dazu gibt, wie wir den Verschluss entgültig bekommen, würde ich mich freuen sie zu lesen!

    Antworten
    1. Alexander Fillbrandt Autor

      Ja! Ein Loch im Körper ist immer schlecht. Wenn die Trachealkanüle zum Absaugen nicht benötigt wird, muss das Stoma verschlossen werden. Damit werden sorgar Husten, Räuspern und Ausspucken für den Patienten leichter – kein Druckverlust mehr durch das Stoma.

      Antworten
  2. T.K.

    Ich habe eine 6-jährige Patientin, die nach einem schweren Unfall tracheotomiert werden musste und seit Entlassung aus dem KH in einem Wohnheim untergebracht ist. Ich habe mit der Schlucktherapie begonnen, als die Kanüle bereits entfernt war. Nach zwei Verordnungen a 10 Therapien besteht keine Dysphagie mehr. Das Tracheostoma ist nun aber seit Beginn meiner Therapie im April 2016 nur durch ein Pflaster abgedeckt und scheint sich nicht von selbst komplett zu schließen. Das Pflegepersonal kann mir keine genauen Angaben zur Art des Tracheostomas machen, meint nur, dass ein bis zwei Jahre Zeit bis zum „Zuwachsen“ „normal“ seien?? Die kleine Patientin hat erhebliche Einschränkungen in ihrer Stimmqualität, v.a. Atem-Stimm-Koordination und Stimmkräftigung sind schlecht durch Therapie zu verbessern … kann ich den behandelnden und überweisenden HNO-Arzt bezüglich eines operativen Verschlusses ansprechen oder sollte ich zunächst die Pflegekräfte sensibilisieren? Und mit welchen (weiteren) Argumenten?

    Antworten
    1. Alexander Fillbrandt Autor

      Die Sache mit der Stimmqualität und auch der Druckverlust beim Husten sind die wichtigsten Argumente. Außerdem der Umstand, dass eine Öffnung im Körper, die da eigentlich nicht hingehört immer eine Eintrittspforte für Keime ist. Die Patientin hat also ein erhöhtes Risiko für Pneumonien.

      Dein Ansprechpartner ist sicher der Arzt.

      Die Aussage, dass es schon mal zwei Jahre dauern könnte halte ich für sehr gewagt. In der Regel sollte ein Loch immer verschlossen werden, wenn es nicht mehr benötigt wird. Der sicherste Weg ist meiner Erfahrung nach: wenn eine Dekanülierung möglich ist, dann wird die TK im OP gezogen und das Loch sofort verschlossen.

      Antworten
  3. Fatma

    Meine Tochter hat auch seit der Geburt eine Kanüle. Sie ist jetzt fast 4 Jahre alt. Wir werden auch von unserem Arzt hingehalten mit der Dekanülierung. Der Arzt will den Winter noch abwarten. Aber die Kanüle verursacht, dass sie oft krank wird. Wo habt ihr dekanüliert. Welches Krankenhaus oder Arzt ist hier zu empfehlen?

    Antworten
  4. Fatma

    Was sollte man bei der Dekanülierung im Krankenhaua beachten. Sollte sofort ein Pflaster drauf? Was ist mit dem vielen Sekret? Wird es dann weniger? Ich freue mich über Tipps. Wir wollen es unbedingt schaffen, dass die Kanüle endlich wegkommt. Ich bin dankbar für jeden Tipp.

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  5. Britta

    Hey. Komme gerade von einem HNO-Arzt. Unser Sohn hat seit 15 Jahren ein Tracheostoma. Das Loch sieht allerdings nicht schön aus. Wir haben das Problem das unser Sohn sich, sobald er liegt, sich an der Kanüle rumspielt. Der Arzt meinte, das man die Kanüle rausnehmen könnte und das Loch vergrößert und wir keine Kanüle mehr brauchten. Einerseits finde ich den Gedanken super. Andererseits was ist mit Inhalieren, feuchter Nase usw. ?? Bin gerade sehr zwiespältig. Kann mir irgendjemand was dazu schreiben??
    LG Britta

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  6. David

    ich habe seit mitte 2017 nach erkranung an julian barre syndrom ein offenes stoma sollte eigentlich von allein zuwachsen ist es aber nicht es schränkt mich nicht groß ein ausser duschen etc ist es sehr schwer bei anstrengung entweicht luft und es bilded sich eine art grind oder sektret was dass loch verschliesst is dieser löst sich aber nach einer weile wieder ist das ein zeichen das es noch heilt oder sollte man es zu nähen lassen es ist noch etwa 2 mm groß

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