Trachealkanüle: Kann man damit schlucken?

Der Wunsch etwas zu essen und zu trinken – also zu schlucken – ist auch bei tracheotomierten Patienten vorhanden, natürlich. Aber selbst unabhängig von der Indikation für eine Trachealkanüle, hat dieses Medizinprodukt Einflüsse auf alle Phasen des Schluckaktes. Außerdem ergeben sich teils unüberwindbare Hürden für einen physiologischen Schluckakt.

Kann man mit einer Trachealkanüle schlucken?

Schluckakt mit Trachealkanüle

Grundsätzlich kann man mit einer Trachealkanüle schlucken. Aber zu beachten ist warum der Patient mit einer Trachealkanüle versorgt wurde. In den meisten Fällen ist dies eine schwere Dysphagie. Daher ist es immer klug, vorher genau zu überlegen, ob die Nahrungsaufnahme das primäre Ziel darstellt.

Außerdem sind Schritte nötig, damit der Patient mit einer Trachealkanüle schlucken kann, die unabhängig von der Indikation sind. Dazu gehört beispielsweise, dass die Trachealkanüle zur Nahrungsaufnahme und für Schluckversuche entblockt werden muss.

Entblocken der Trachealkanüle

Es herrscht weitgehend Einigkeit in Fachkreisen darüber, dass eine Trachealkanüle für den Schluckakt im Rahmen der Therapie und zur Oralisierung entblockt werden muss. Zwar gibt es Studien, die zeigen wollen, dass eine Trachealkanüle nicht das Aspirationsrisiko erhöht und auch nicht die Larynxelevation negativ beeinflusst. Trotzdem sind die Auswirkung auf den Schluckakt und auf Schutzmechanismen dramatisch.

Husten

In der Therapie sind Schutzmechanismen ein wichtiges Thema. Mit supraglottischem Schlucken will man beispielsweise verhindern, dass Teile des Bolus in die Luftröhre eindringen, wenn es zu Penetration kommt, der Husten aber nicht effektiv genug ist. Dieses supraglottische Schlucken setzt auf einen effektiven Glottisschluss und Taschenfaltenschluss. Ohne einen subglottischen Druck ist das schwer für die Patienten.

Und überhaupt kann Husten bei einer geblockten Trachealkanüle nie effektiv sein. Der Hustenstoß strömt durch die Trachealkanüle, im Kehlkopf wird keine Luftströmung erzeugt. Damit könnte auch bei auslösendem Husten das penetrierte oder aspirierte Material gar nicht entfernt werden.

Das passt:  Dürfen Logopäden einen Patienten absaugen und die Trachealkanüle wechseln?

Schlucken mit einer Ausatemtendenz

Der physiologische Schluckakt läuft mit einer Ausatemtendenz. Das heißt im Idealfall schluckt der Mensch im Moment der Ausatmung. Das unterstützt durch den Glottisschluss den Druckaufbau direkt unter der Glottis und führt auch dazu, dass man nach dem Schluck eher ausatmet als einatmet. Sollte nun in der pharnygealen Phase etwas Material des Bolus auf die Stimmlippen gekommen sein, dann wird das durch die Ausatmung nach dem Öffnen der Glottis aus den Luftwegen befördert.

Bei einer geblockten Trachealkanüle wäre auch dies nicht möglich, da – wie gesagt – kein Luftstrom durch den Kehlkopf und damit durch die Glottis entsteht.

Kölner Befundsystem für Schluckstörungen – Schwerpunkt Trachealkanülenmanagement

Können versus sollten

Mit einer Trachealkanüle kann man also schlucken. Aber die behandelnden Ärzte, Pflegenden und Logopäden müssen sicher stellen, dass die Trachealkanüle entblockt ist und dass der Patient einen ausreichend sicheren Schluckakt hat. Bei einer schweren Dysphagie mit hohem Aspirationsrisiko muss von der oralen Nahrungsaufnahme abgesehen werden.

Eine Trachealkanüle schützt Dysphagie-Patienten zu einem gewissen Maß vor ständiger Aspiration von Speichel und erleichtert die Bronchialtoilette. Sie ist aber kein Schutz vor Aspiration bei der Nahrungsaufnahme (auch nicht in geblocktem Zustand).

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8 Kommentare

  1. Christel Bremshey

    Hallo,
    ich arbeite seit sieben Jahren in einer Beatmungs- WG.
    Meine Kollegen und ich sind bzgl. des Entblockens der Kanüle während des Schluckvorganges unterschiedlicher Meinung.
    Ich befürworte nach intensiver Recherche das Entblocken der Kanüle.
    Sollte nicht grundsätzlich vor dem logopädischen Schlucktraining eine Schluckdiagnostik stattfinden?
    Mein Chef ist Atmungstherapeut, sollte er das nicht wissen?
    Mit freundlichen Grüßen,
    Christel Bremshey

    Antworten
  2. Tupy Richard

    Habe schon ein halbes Jahr eine Trachaelkanüle .Kann nicht schlucken ( darf nicht) da sonst die Gefahr besteht dass etwas in die Luftröhre kommt .( lungen entzündung ).
    Wer kann helfen ??

    Antworten
  3. Ulrike Petersen

    Habe seit 3 Wochen eine Trachealkanüle nach einer Zungengrund-OP. Ich möchte sie so schnell wie möglich wieder loswerden, aber man will sie erst nach der Bestrahlung + Nachwirkzeit entfernen.
    Essen kann ich nur Suppe, wovon ein Teil wieder an der Kanüle vorbei am Hals wieder rauskommt. Zunächst war die Kanüle ganz hart geblockt, da ging garnichts. Ich habe den Druck dann etwas verringert, so geht alles, was flüssig ist, aber immer nur halbe Teelöffel voll. Was soll ich machen? Welches Risiko besteht bei der Bestrahlung, wenn die Kanüle entnommen wird? Wie lang ist die Entwöhnungsphase?
    Für Antworten Ratschläge und Erfahrungsberichte wäre ich dankbar.
    Ulrike

    Antworten
    1. Gabi

      Hallo,
      so wie ich Sie verstehe, haben Sie zur Zeit eine geblockte Kanüle.
      Die Blockung sollten Sie nicht einfach verringern. Sie sollten ihn regelmäßig mit einem Cuffdruckmesser kontrollieren um Druckstellen in der Luftröhre zu vermeiden. Den Cuffdruckmesser bekommen Sie von Ihrem Homecareanbieter.
      Schlucken mit geblockter Kanüle ist immer ein Risiko. Zum Schlucken sollte der Cuff entblockt werden, sonst ist die Gefahr des Verschluckens groß. Sie sollten das mit dem Arzt oder ihrem Berater vom Homecareunternehmen besprechen.
      Während der Bestrahlung kann es zu Schwellungen im Mund- und Halsbereich kommen. Daher sollte die Kanüle so lange liegen bleiben, bis die Behandlung abgeschlossen ist und Sie wieder sicher genug Luft bekommen. In der Regel wird es nach der Bestrahlung nach etwa 1 Woche besser, dann weiter Woche für Woche. Einen genauen Zeitraum kann man nicht nennen. Zum Abschluss wird noch eine Probe entnommen, um zu kontrollieren ob der Tumor weg ist. Wenn sicher nichts mehr da ist, dann wird die Kanüle entfernt.
      Die Entwöhnungsphase ist nicht fest gelegt, das ist bei jedem Mensch etwas anders. Hängt mit der Schwellung im Hals und vom Tumor ab.
      Sie brauchen hier viel Geduld.
      Ich wünsche Ihnen alles Gute.
      G. (Anwendungsberaterin Homecare)

      Antworten

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