In der Sprachentwicklung – in welchem Fall ist eine Verb-End-Stellung pathologisch?

Eine Frage zur Grammatikentwicklung im Rahmen der Sprachentwicklung:

Was ist, wenn ein 4.3 Jahre altes Kind das Verb immer an den Schluss stellt?

«Wo Gabeln sind?»

«Ich fertig gemacht?»“

Antwort

Um beurteilen zu können, ob die Entwicklung der Grammatik im Rahmen der Sprachentwicklung gestört oder nur verzögert ist, gibt es ein Modell. Betrachtet werden müssen dabei die Verben, der Kasus und die Genusmarkierungen.

Vorweg: Von einer Auffälligkeit in der Grammatikentwicklung spricht man eigentlich erst, wenn das Kind 5 Jahre alt ist, trotzdem will ich hier kurz auf eine physiologische Entwicklung eingehen.

Verben

verzögerte Entwicklung gestörte Entwicklung

Das Kind ab fünf Jahren läßt Verben aus, zeigt falsche Verbstellung, läßt Subjekte aus, hat mit anderen Flexionen Probleme und kann besser mit Vollverben umgehen als mit Hilfsverben.

Bildet aber noch keine -st Flexion (2. Person singular aktiv).

Es kommt zu Auslassungen, falscher Verstellung und Vollverben werden bevorzugt.

Die 2. Person singular aktiv wird aber korrekt eingesetzt.

Kasus

verzögerte Entwicklung gestörte Entwicklung

Es treten Fehler beim Akkusativ und Genitiv auf, aber auch beim Dativ.

Es treten Fehler bei Akkusativ und Genitiv auf, aber nicht beim Dativ.

Genus

verzögerte Entwicklung gestörte Entwicklung

Das Kind benutzt keine bestimmten Artikel, zeigt noch Auslassungen bei Artikel und die Fehler sind konstant.

Das Kind benutzt bereits bestimmte Artikel, lässt trotzdem andere aus und zeigt ein Mehrfachangebot (also teilweise maskuline und feminine Markierungen).

Um also sagen zu können, um es bei einem Kind zu einer gestörten oder verzögerten Grammatikentwicklung kommt, muss man sich mehrere Bereiche anschauen. Nur ein Blick auf die Verbstellung und Verflexion reicht da nicht aus.

Das passt:  Hat ein Zungenpiercing Einfluss auf die Sprachentwicklung?
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