Dürfen Logopäden ohne Verordnung therapieren?
Dürfen Logopädinnen und Logopäden ohne ärztliche Verordnung therapieren?

Die Antwort direkt vom Deutschen Berufsverband für Logopädie (dbl):

Foto: J.Tepass/dbl

Dient die Verordnung durch einen Arzt ausschließlich der Abrechnung mit Kostenträgern?

Dagmar Karrasch: Nein, die ärztliche Verordnung ist vor allem eine Voraussetzung dafür, dass der Logopäde oder die Logopädin eine so genannte „heilkundliche Leistung“ überhaupt erst abgeben darf. Denn auch die Heilkunde durch einen Logopäden oder einer Logopädin unterliegt den Bedingungen des Heilpraktikergesetzes. Dort ist geregelt, wer unter welchen Voraussetzungen individuelle Leistungen als heilkundliche Tätigkeiten erbringen darf. Heilkunde im Sinne des Heilpraktikergesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird. In diesem Sinne darf eine logopädische Tätigkeit ohne beispielsweise eine ärztliche Verordnung, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung oder einen Konsilschein nicht ausgeübt werden.

Gibt es Möglichkeiten, ohne die o.g. Voraussetzungen tätig zu werden?

Dagmar Karrasch: Doch natürlich gibt es hier Möglichkeiten. Aber diese betreffen nur den so genannten „nicht-heilkundlichen“ Bereich, für den berufsrechtlich keine besonderen Anforderungen bestehen. Hierzu ist dann der Abschluss einer entsprechenden Honrarvereinbarung ausreichend. Ein Beispiel hierfür wäre etwa eine allgemeine Sprachförderung (ggf. im Kindergarten). In Betracht kämen z.B. auch die Unterstützung einer Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten oder das ganze Spektrum der Stimmbildungsmaßnahmen (die zum Teil auch präventiv in Anspruch genommen werden) für Lehrer/innen, Sänger/innen oder Pfarrer/innen.

Welche Grenzen sehen Sie in Bezug auf die Leistungen, die mit und ohne Verordnung durchgeführt werden dürfen?

Dagmar Karrasch: Die Beurteilung, ob eine Leistung mit oder ohne ärztliche Verordnung erbracht werden darf, ist nicht immer einfach. Die Abgrenzung ist ein sehr schmaler Grat und es zum Teil nicht leicht zu entscheiden, ob man im jeweiligen Fall „heilkundlich“ oder „nicht-heilkundlich“ tätig ist. Man muss sehr genau hinschauen und jeden Einzelfall betrachten. Denn: Wer heilkundlich tätig wird, ohne eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz erhalten zu haben, macht sich strafbar. Ein Verstoß gegen das Heilpraktikergesetz (HeilprG §5) kann die Verhängung einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe nach sich ziehen.

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Eine pauschale Aussage zu einer eindeutigen Unterscheidung oder Abgrenzung würde uns sicher vieles erleichtern, ist aber leider nicht möglich.

Welche rechtliche Grundlage nehmen Sie als Basis Ihres Standpunktes?

Dagmar Karrasch: Im Grunde basiert alles auf dem schon vielfach zitiert Heilpraktikergesetz (Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung -HeilprG). Manche stören sich an dem Begriff „Heilpraktiker“ und beziehen die Wirkung des Gesetzes nur auf diese Berufsgruppe. Gemeint sind im HeilprG jedoch all diejenigen, die Heilkunde ausüben und darunter fällt auch unsere Berufsgruppe. Das Heilpraktikergesetz stammt noch aus dem Jahre 1939 und damals war der Begriff Heilpraktiker noch anders belegt.

Ich danke dem dbl für dieses Interview.

Behandlung ohne Verordnung – möglich?

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