Zentrale vs. periphere faziale Parese. Wo liegt der Unterschied? Wie differenziert man eine Trigeminusneuralgie?

In der Neurologie begegnen einem Logopäden auch Paresen. Die Behandlung derselben obliegt in vielen Kliniken den Logopäden, sofern es sich um faziale Paresen handelt. Bei fazialen Paresen unterscheidet man zwischen solchen, deren Ursache zentral bedingt ist, und solchen, bei der im Verlauf des Nervs eine Störung auftritt. Dazu erreichte mich eine Frage:

„Ich habe seit drei Therapieeinheiten einen Patienten mit einer idiopathischen peripheren Fazialisparese – linksseitig – hat. Ursächlich scheint ein positiver Befund auf Borrelien.

Bewegung des Stirnastes und Naserümpfen sind möglich. Die Probleme schildert der Patient wie folgt:

  • Schmerzen hinterm linken Ohr,
  • Scherzen im Gesicht bei taktiler Reizung,
  • inkompletter Lidschluss auf der betroffenen Seite,
  • leicht hypotoner Mundwinkel und
  • eingeschränkte gustatorische Wahrnehmung.

Worin unterscheidet man eine Trigeminusneuralgie vs. Fazialisparese?
Darf ich bei Schmerzempfinden weiter behandeln (nach Castillo Morales)?“

Antwort

Die Angabe, es sei eine idiopathische faziale Parese wundert mich, da ein positiver Befund auf Borrelien eine klassische Ursache für eine periphere faziale Parese ist. Aber geschenkt.

Head facial nerve branches

Zunächst eine kleine Zusammenfassung über den Nervus facialis, den VII. Hirnnerv.

Der N. facialis hat seine motorischen Kerne in der Brücke, also im Pons. Er verläuft durch das Mittelohr und durch einen Knochenkanal, trennt sich dann in drei wichtige Äste und versorgt dabei das Gesicht motorisch. Außerdem ist er mit seinen sensiblen Fasern am Geschmacksempfinden beteiligt – hier vorrangig im vorderen Drittel der Zunge und ist an der Steuerung der Speichelproduktion.

zentrale vs. periphere Schädigung

Das Kriterium zur Unterscheidung zwischen einer zentralen und einer peripheren fazialen Parese ist die Überprüfung des Lidschlusses. Bei einer zentralen Störung des N. facialis ist im Allgemeinen der Lidschluss weiterhin möglich.

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Bei einer peripheren Lähmung des Nervs kann der Lidschluss eingeschränkt sein. In diesem Fall ist es wichtig, die Feuchtigkeit des Auges von außen sicher zu stellen, um die Hornhaut nicht zu gefährden. Das Tragen von Uhrglas-Verbänden und das Auftragen von Augensalbe direkt auf die Hornhaut sind gängige pflegerische bzw. therapeutische Interventionen.

Ohrenschmerzen durch den N. facialis?

Durch seine Lage und bedingt durch den Weg durch das Mittelohr, kann ein Zusammenhang zwischen den Ohrenschmerzen und der peripheren fazialen Parese liegen. Je nach Ort der Schädigung des Nerven im Verlauf kann auch der Ast beteiligt sein, der die Muskulatur hinter dem Ohr motorisch versorgt. Auch hier besteht ein möglicher Zusammenhang mit den Schmerzen am bzw. im Ohr.

Der bei entsprechender Lokalisation der Schädigung möglicherweise fehlende Stapediusreflex kann zu einer gesteigerten Empfindsamkeit bei Geräuschen führen. Durch eine Dauerbelastung sind hier sicher auch Schmerzen ein mögliches Symptom.

Die Behandlung

Eine faziale Parese wird therapeutisch unabhängig von der Art der Lähmung (zentral vs. periphere) behandelt. Es geht um eine Reizung des Nervs. Dies lässt sich mit einer Kombination aus taktiler, thermischer und propriozeptiver Reizung erreichen. Das Konzept der Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF) hat sich hier als sehr effektiv erwiesen.

Dabei werden die einzelnen Äste mit einem thermischen Reiz angeregt und anschließend versucht, mit einem Bewegungsmuster den Nerven zu reaktivieren.

Deuten Schmerzen auf eine Trigeminusneuralgie hin?

Bei einer Trigeminusneuralgie sind die Schmerzen oft blitzartig einschießend und werden vom Patienten im Gesicht lokalisiert. Sie treten manchmal im Zusammenhang mit Berührungen auf, können aber auch durch Luftzug oder Sprechen und Kauen getriggert werden. Teilweise treten sie ganz ohne äußeren Reiz auf.

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Bei einer fazialen Parese können ebenfalls Schmerzen auftreten. Die Ursache liegt hier eher in der verminderten Sensibilität oder einer ggf. zu starken Reizung im Rahmen der Therapie oder Selbsttherapie.

Allgemeiner Hypotonus

Eine allgemeine Schwäche und Kraftlosigkeit liegt bei einer peripheren Fazialislähmung meist an der Behandlung der Urasache – in diesem Fall dem Befall mit Borrelien. Darauf sollte jeder Therapeut bei der Arbeit mit seinen Patienten achten, aber ein Ausschlusskriterium für die Therapie nach PNF oder anderen gängigen Therapiekonzepten stellt dies nicht dar.

Nomenklatur

Ich nutze diese Antwort mal für einen Hinweis. Man spricht nicht von einer zentralen Fazialisparese. Bei einer zentralen Störung ist der Nerv selbst nicht betroffen. Daher ist der Ausdruck „zentrale faziale Parese“ hier richtig. Bei einer peripheren Schädigung ist auch der Begriff „Fazialisparese“ erlaubt.

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