Würgreflex – warum ist er Teil jeder KSU?

Warum wird in fast jeder klinischen Schluckuntersuchung (KSU) der Würgreflex überprüft? Welchen Einfluss hat er auf den Schluckakt?

klinische Schluckuntersuchung

Im Rahmen der klinischen Schluckuntersuchung werden alle für den Schluckakt relevanten Funktionen überprüft, soweit das klinisch möglich ist. Dazu gehören die Schluckfähigkeit unterschiedlicher Konsistenzen aber auch die Funktion beteiligter Muskeln und Hirnnerven.

Die Überprüfung des Hirnstamms, der für die Steuerung des Schluckaktes verantwortlich ist, kann bei einer ausschließlich klinischen Betrachtung schwer sein. Dauert die orale Phase beispielsweise ungewöhnlich lange, kann dies ein Hinweis sein, für eine verzögerte Auslösung des Schluckreflexes – ausgehend vom Hirnstamm. Es kann aber auch ein Zeichen für eine gestörte Boluskontrolle und Affektivität sein – eher im Frontalhirn verortet. Die Überprüfung des Würgreflexes kann hier die Richtung weisen.

Würgreflex

Am Würgreflex sind zwei wichtige Hirnnerven beteiligt: der Vagus und der Glossopharyngeus, die beide im Nucleus ambiguus ihren Ursprung haben. Er wird bei der Berührung des Zungengrundes sowie des weichen Gaumens ausgelöst.

Funktion des Würgreflexes

Aufgabe des Würgreflexes ist es, bei unverträglicher Nahrung oder zu großem Bolus, diesen wieder aus dem Rachen zu befördern und so eine Aspiration zu verhindern. Damit ist das Würgen ein Schutzreflex, wie das Schlucken selbst auch.

Dabei zieht sich die Rachenmuskulatur krampfhaft zusammen und presst die Nahrung oder den Fremdkörper wieder in die Mundhöhle. Mit so viel Druck, dass sie umgehend ausgespuckt wird.

Würgreflex ist trainierbar

Wenn man bei Google nach Würgreflex sucht, sollte man nicht alle Ergebnisse im Bereich der Medizin erwarten. Zuweilen ist das Würgen auch Gegenstand von Fragen zum zwischenmenschlichen „Austausch“.

Das passt:  Wie finde ich einen FEES-Ausbilder?

In den Antworten zu einschlägigen Fragen lernt man dann, dass sich der Würgreflex durch Habituation abschwächen lässt. Das trifft zu, denn der Würgreflex gehört zu den sogenannten polysynaptischen Reflexen (Fremdreflexen), bei denen sich der Ort des Auslösens vom Ort der Reflexreaktion unterscheidet.

Zusammenfassung

Es gibt Menschen, die haben eine sehr schnell auslösenden Würgreflex und solche bei denen der Reflex fast gar nicht stimuliert werden kann. Dies kann angeboren oder eben antrainiert worden sein.

Zudem ist der Würgreflex kein wichtiges Element des Schluckaktes, wohl aber ein Schutzreflex.

Ihn bei jeder klinischen Schluckuntersuchung zu überprüfen, erscheint mir nicht sinnvoll. Ihn zu kennen und eine Überprüfung als hilfreiches Element der Schluckuntersuchung anzusehen, dass bei Bedarf eingesetzt werden kann, ist hingegen wichtig.

Quellen

  • Suchergebnisse bei Google
  • Seite „Würgreflex“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. Januar 2016, 12:57 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=W%C3%BCrgreflex&oldid=150847589 (Abgerufen: 31. Juli 2016, 10:42 UTC)

Entschuldigt das Titelbild – aber nach der Suche nach Würgreflex im Internet konnte ich nicht anders.

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2 Kommentare

  1. Christiane Goldbach

    Hallo Alexander, ich sitze seit einer halben Stunde an deinem BLOG und bin völlig geflasht.
    Demnächst werde ich verstärkt mit Dysphagiepatienten zu tun haben und wollte mich nur mal nach dem neusten Stand der Dysphagiediagnostik und -Therapie umsachauen und bin bei dir gelandet. Jetzt bin ich absolut umfassend und ausführlich informiert … besser konnte ich es ja gar nicht treffen. SUPER!
    Hab auch die Logopäden-News bestellt falls es geklappt hat ( bin eben kein Nerd ) sondern ne alte Oma :-)).
    Danke dir du Nerd, mit kollegialem Gruß, Christiane

    Antworten

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