Therapeutische Mundpflege – wie?

Man kann es nicht oft genug sagen: Die therapeutische Mundpflege ist ein wichtiges Element der Therapie bei Patienten mit einer Dysphagie. In ganz besonderem Maße gilt das für Trachealkanülen-Träger. Für Logopäden stellt sich damit die Frage nach dem Ablauf.

Wie funktioniert therapeutische Mundpflege? Gibt es eine Anleitung für therapeutische Mundpflege?

Warum ist therapeutische Mundpflege so wichtig?

An anderer Stelle habe ich über die Zusammensetzung von Speichel geschrieben. Entscheidend für die Beantwortung der Frage nach der Notwendigkeit zu therapeutischer Mundpflege ist, dass Speichel bei verminderter Mundhygiene mit Bakterien verkeimt sein kann, die gefährliche Pneumonien auslösen. Eine Pneumonie durch Speichelaspiration ist nicht gut für den Körper, aber eine bakterielle Pneumonie ist ungleich gefährlicher und wahrscheinlicher.

Bei schweren Schluckstörungen ist die Gefahr der Aspiration höher und eine Trachealkanüle verhindert Aspiration nicht vollständig.

Zur Prophylaxe von Komplikationen ist daher die therapeutische Mundpflege essentiell.

Zubehör

Für die therapeutische Mundpflege sind einige Hilfsmittel erforderlich. Dazu gehören:

  • Einmal-Handschuhe
  • Zahnbürste,
  • Becher mit frischem Wasser,
  • je nach Vigilanz des Patienten: Zahnpasta, etwas Salviathymol o.ä. in Wasser gelöst oder frischer Pfefferminztee,
  • leerer Becher oder Spuckschale,
  • Kompressen in 10×10 cm

Zusätzlich gibt es verschiedene Hilfsmittel, die zwar optional, aber ausgesprochen praktisch sind. Besonders, wenn man mit vigilanzgeminderten Patienten die Mundpflege durchführt oder einen Patienten mit schwerster Dysphagie betreut.

  • Schwamm
  • Schwamm mit Absaugmöglichkei
  • Zahnbürste mit Absaugmöglichkeit
Zahnbürste mit Möglichkeit zum Absaugen.
Zahnbürste mit Möglichkeit zum Absaugen.

Durchführung der Mundpflege

Vorbereitung

Auf einem kleinen Tablett lassen sich die benötigten Utensilien vorbereiten und bereitstellen.

Wichtiger aber ist es, den Patienten zu informieren. Im Besonderen auch solche Patienten, die in Bezug auf Vigilanz und Aufmerksamkeit eingeschränkt sind. Die Kontaktaufnahme sollte an den Händen beginnen und über die Arme, Schultern, den Nacken und Hinterkopf zum Gesicht gestaltet werden. Nähert man sich dem Gesicht und dem sehr sensiblen Mund des Patienten ohne eine solche Vorbereitung, ist das Risiko größer, einen Beißreflex auszulösen bzw. dass der Patient den Mund nicht öffnet.

Ablauf der Mundpflege

Als erstes gilt es, Sekret aus der Mundhöhle zu entfernen. Das kann entweder mit einer um einen Finger gewickelten Kompresse geschehen oder auch mit einem Schwamm mit Absaugmöglichkeit. Die Kompresse bzw. der Schwamm werden in frisches Wasser getaucht und anschließend leicht ausgedrückt. Sie sollten feucht, aber nicht triefend nass sein. Mit einer ausstreichenden Bewegung wird das Sekret aus dem Mund des Patienten nach vorn gestrichen oder direkt abgesaugt.

Im zweiten Schritt wird mit der Zahnbürste gearbeitet. Hierbei darf durchaus Zahnpasta zum Einsatz kommen, sofern der Patient ausreichend fähig ist zur Mitarbeit. Bei schläfrigen Patienten ohne aktive Mitarbeit sollte auf Zahnpasta verzichtet werden. In diesen Fällen eignet sich warmer Tee, mit dem die Zahnbürste leicht befeuchtet wird.

Mit Druck werden nun alle Zähne von allen Seiten und auch das Zahnfleisch gebürstet. Anschließend soll der Patient ausspucken – ist dies nicht möglich, ist eine Zahnbürste mit Absaugmöglichkeit ein sehr guter Ersatz. Oder der Mund wird mit leicht angefeuchteten Kompressen gereinigt.

Im dritten Teil geht es um die Reinigung der Zunge. Mit einem leicht angefeuchteten Schwamm (oder einer Kompresse um den Finger) kann diese längs und quer gebürstet werden. Sich lösende Verborkungen sollten nach vorn aus dem Mund gewischt und dort entfernt werden.

Zum Schluss sollten noch die Lippen des Patienten mit Kompressen gereinigt werden. Bei einer sehr trockenen Mundschleimhaut kommt es auch hier zur Bildung von Schuppen. Im Anschluss an die Reinigung der Lippen sollten diese mit einer Fettcreme gepflegt werden. Augen- und Nasensalbe erzielt ganz gute Effekte beim Rückfetten.

Häufigkeit

Die Mundpflege ist am effektivsten, wenn sie regelmäßig durchgeführt wird. Alle zwei Stunden wäre empfehlenswert. Nur drei Mal am Tag ist zu wenig. Daher sollten Pflegende und Angehörige unbedingt angelernt werden.

Epilog

Das Ziel ist, die Häufigkeit bakterieller Lungenentzündungen bei Dysphagie-Patienten zu reduzieren. Gemeinsam schaffen wir das!

Hast du noch weitere Tipps oder Anregungen für eine effektive therapeutische Mundpflege? Schreibe deine Antwort auf diese Anleitung. Die besten Antworten nehme ich in die Anleitung auf.

Giveaway

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Anleitung zur therapeutischen Mundpflege

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14 Kommentare

  1. Michael

    Sehr schöne Anleitung! Als Anfänger hat mir das einen sehr guten Überblick verschafft!
    Wie sieht es aus mit dem Einsatz von Zungenreinigern? Empfehlenswert oder nicht?

    Gruß
    Michael

    Antworten
    1. Alexander Fillbrandt Autor

      Ich mag diese klassischen Zungenbürsten nicht für Patienten. Diese kleinen Schwämmchen finde ich besser. Gerade wenn man die Mundpflege mit fiteren Patienten macht, sind Seitwärtsbewegungen mit dem Schwamm möglich, mit einer Zungenbürste eher nicht.

      Aber auch für schwer betroffene Patienten sind mir die Zungenbürsten zu breit.

      Antworten
  2. Sylvia

    Toller Artikel, danke!! Ich persönlich finds immer wieder gut, Angehörigen oder Pflegepersonen solche Anleitungen mitgeben zu können. Als Ergänzung würde ich es noch wichtig finden, die empfohlene Haltung der Patienten während der Mundpflege zu erwähnen.
    Liebe Grüße, Sylvia

    Antworten
    1. Alexander Fillbrandt Autor

      Das mit der Haltung ist eine gute Idee.

      Ich könnte aus dem Artikel noch ein PDF machen, das ich zum Beispiel bei madoo.net anbieten könnte, zum verteilen. Soll ich?

      Antworten
  3. Tanja Kroll

    Hi, schöne Anleitung! Ich nehme auch nicht so gerne normale Zahnbürsten, da Patienten, die Mundpflege benötigen, ein extrem empfindliches Zahnfleisch haben. Entweder benutze ich sehr weiche babyzahnbürsten oder die Schwämmchen. Übringens ist außer Pfefferminztee grüner Tee sehr empfehlenswert, da er entzündungshemmend wirkt und gleichzeitig einen etwas bitteren Reiz/Stimulus setzt. LG Tanja

    Antworten
  4. gabriela keller

    Ein sehr interessanter Artikel. Ich geben ihn weiter an den Pflegedienst eines ALS-Patienten mit Dauerbeatmung, geblockter Kanüle. Die Angehörigen wussten bisher nichts von Absaugzahnbürsten .
    Welche Absaugzahnbürsten sind den empfehlenswert?

    Antworten
  5. Margret

    Gute Anleitung!
    Für die Zungenreinigung finde ich einen Zungenschaber (schlingenartige Form)
    sehr gut geeignet. Verborkungen lassen sich schonend und dennoch gründlich von der Zunge lösen und gut aus dem Mund entfernen.
    Die optimale Position des Patienten für die Zahnpflege zu erwähnen, finde ich auch sehr wichtig.

    Antworten
  6. Hallo, das ist ein sehr interessanter Artikel und einige Anmerkungen sind richtig. Ich persönlich versuche aufrechtes Sitzen am Bettrand oder Stuhl mit der Mundpflege zu kombinieren. Da findet man ein bißchen FOTT wieder.
    Was ich sehr oft mache, ist, die Selbsterfahrung des Patienten vor der Mundpflege. Das heißt, ich führe seine eigen Hand über die Lippen und lass den Patient sogar eigene Finger in den Mund führen. Das nimmt sehr oft die Angst und die Hemmung vor der Mundpflege.

    Antworten

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