Ist Juice Plus für Dysphagie-Patienten empfehlenswert?

Die Ernährung ist für den menschlichen Körper essentiell. Eine Mangelernährung kann den Rehabilitationsprozess behindern und sogar entscheidend stören. In besonderem Maße gilt das für Dysphagie-Patienten. Dazu erreicht mich eine Frage:

Ist Juice Plus eine sinnvolle Ergänzung für Dysphagie-Patienten?

Schluckstörungen und Ernährung

Zunächst ist eine Schluckstörung – die Dysphagie – ein Symptom. Sie ist selbst keine Erkrankung, sondern resultiert in den meisten Fällen aus Störungen in der Steuerung und Funktion der am Schlucken beteiligten Hirnnerven und Muskelgruppen. Durch eine Schädigung im Hirnstamm kann zum Beispiel die Auslösung des Schluckreflexes behindert sein, so dass die willentlichen Phasen des Schluckaktes normal ablaufen, der Transport durch den Pharynx aber nicht möglich ist.

Unabhängig von der Ursache der Dysphagie steigt mit ihrem Schweregrad die Gefahr, dass Speisen oder Getränke in die unteren Atemwege gelangen und dort Entzündungen auslösen.

Logopäden kommt hier eine besondere Aufgabe zu. Sie sind die Spezialisten, wenn es um Schluckstörungen geht. Sie sind geschult im Erkennen von Dysphagien und können Patienten helfen, den Schluckakt wieder erfolgreich und sicher zu machen. Nur bei einem sicheren Schluckakt kann die orale Ernährung sicher gestellt werden.

Therapie

Die Therapie der Dysphagie konzentriert sich darauf, gestörte Abläufe und verlorene Funktionen wieder herzustellen und zu verbessern. Dazu stehen unterschiedliche Maßnahmen zur Verfügung, auch adaptive Verfahren, bei denen zum Beispiel Fließgeschwindigkeiten der angebotenen Nahrung optimiert werden. Allerdings ist eine vollständige orale Ernährung bei Patienten mit einer Dysphagie das Ziel der Therapie und während der Therapie nicht immer sicher möglich.

Obst

Ernährung schluckgestörter Patienten

Hier helfen nasogastrale Sonden und PEG/PEJ-Sonden. Je nach Phase der Rehabilitation und Fähigkeiten des Patienten stellt die künstliche enterale Ernährung sicher, dass die Patienten ausreichend mit Nährstoffen und Flüssigkeit versorgt werden. Für die künstliche enterale Ernährung gibt es spezielle Sondenkost. Diese unterliegt sehr strengen Kontrollen, ist bilanziert und entspricht den jeweiligen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Sie enthält alle wichtigen Nährstoffe, wie Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße, Pro-Vitamine, Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe und Wasser. Erhältlich ist sie in einer Standard-Zusammensetzung und in Sonderdiäten für die Bedürfnisse an bestimmten Krankheiten leidender Patienten.

Das passt:  Würgreflex - warum ist er Teil jeder KSU?

Das entscheidende Stichwort ist dabei das „bilanziert“!

Sondennahrung ist bilanziert. Alle Nährstoffe liegen in einem Verhältnis vor, das für den Körper am besten ist. Das gilt für alle Sondenkost-Formen. Die Verhältnisse der Nährstoffe sind jeweils den Bedürfnissen angepasst, die der Körper bei unterschiedlichen Erkrankungen hat.

Nahrungsergänzung

Für Menschen ohne Dysphagie ist es mitunter eine große Herausforderung sich gesund zu ernähren. Gerade wichtige Spurenelemente und Vitamine kommen bei der Ernährung zu kurz. Sogenannte Nahrungsergänzungspräparate können helfen, Mangelerscheinungen zu verhindern. Sie sind immer dann sinnvoll, wenn es zu einer wirklichen Unterversorgung mit Nährstoffen kommt.

Künstlich ernährte Patienten brauchen keine zusätzlichen Nährstoffe, die Sondenkost ist bilanziert.

Patienten, die auf Grund einer Dysphagie künstlich ernährt werden, brauchen keine zusätzlichen Nährstoffe, die Sondenkost ist bilanziert.

Etwas anders verhält es sich bei Dysphagie-Patienten, die nicht künstlich ernährt werden müssen. Bei ihnen kann durch Anpassen der Konsistenz und durch spezielle Schluckmuster der Schluckakt soweit positiv unterstützt werden, dass eine orale Ernährung möglich ist.

Juice Plus

Kapseln, Tabletten oder Drinks der Marke Juice Plus sind in keinem Fall für die Ernährung von Patienten sinnvoll. Der Hersteller beschreibt in werberelevanten Formulierungen zwar die Zusammensetzung seiner getrockneten Obst- und Gemüsesäfte, bleibt eine genaue Aufstellung der Inhalte aber schuldig. Damit ist Juice Plus offensichtlich nicht bilanzierbar.

Patienten, die enteral ernährt werden, profitieren gar nicht von Juice Plus, da die Sondenkost bereits alle Nährstoffe im richtigen Verhältnis enthält.

Patienten, die teilweise oder vollständig ernährt werden, profitieren ebenfalls nicht von Juice Plus, da völlig unklar ist, in welchem Verhältnis die Inhaltsstoffe vorliegen. Fette und Mineralien scheinen gar ganz zu fehlen. Diese Patienten profitieren von bilanzierten Nahrungsergänzungen, die es erstattungsfähig aus der Apotheke gibt.

Das passt:  Keine Verordnung für Schluckuntersuchung? Zwei Alternative Wege.

Fazit

Schon vor einiger Zeit berichtete ich über Juice Plus und warum ich finde, dass Logopäden Juice Plus nicht empfehlen sollten. Es gibt aus ernährungswissenschaftlicher und therapeutischer Sicht kein Argument, das bei Dysphagie-Patienten für Juice Plus spricht. Die Motivation von Logopäden, die das trotzdem empfehlen, muss also eine andere sein. Geld?

Antworten sind da, um geteilt zu werden!Email this to someone
email
Share on Tumblr
Tumblr
Share on Facebook
Facebook
Share on Google+
Google+
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on LinkedIn
Linkedin

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.