Alternativen zur fiberendoskopischen Schluckuntersuchung?

Die FEES steht bei uns nicht zur Verfügung. Wie kann ich trotzdem herausfinden, ob mein Patient aspiriert?

FEES

Die FEES ist ein Verfahren zur bildgebenden Schluckdiagnostik. Dabei wird mit einer flexiblen Optik eine Kamera direkt im oberen Pharynx (Rachen) positioniert, um pathologische Abläufe wie Leaking, Penetration, Aspiration und Retention beobachten zu können.

Beschreibung der fiberendoskopischen Schluckuntersuchung

Video-Röntgen-Untersuchung (VFS)

Als Endoskope noch sehr groß waren, weil die Technik noch sehr viel Platz erforderte, stellte die VFS den Goldstandard in der bildgebenden Schluckuntersuchung dar. Mit Hilfe eines Video-Röntgen-Gerätes wurde der Patient während des Schluckens beobachtet. In besonderen Fällen wird dieses Verfahren noch heute eingesetzt. Beispielsweise lässt sich nur so eine quantitative Beurteilung von Aspiration anstellen. Auch die exakten Abläufe intradeglutitiv sind nur im Rahmen einer VFS sichtbar zu machen.

Allerdings ist die Situation der Nahrungsaufnahme sehr unnatürlich und die Strahlenbelastung des Patienten in vielen Fällen nicht zu rechtfertigen. Steht aber keine FEES zur Verfügung, ist die VFS weiterhin die beste Alternative.

klinische Schluckuntersuchung

Da jede bekannte klinische Schluckuntersuchung sehr umfangreich gestaltet sein muss und sehr viele kleinere Untersuchungen einschließt, lassen sich so bereits viele Probleme im Schluckakt erkennen.

Das nachweislich beste Vorgehen um Aspiration klinisch nachzuweisen ist der Wasser-Schluck nach Daniels.

Wasserschluck nach Daniels

Der Patient bekommt Wasser zu trinken. Zuerst 2x 5ml, dann 2x 10ml, dann 2x 20ml. Im Anschluss wird mit einer kurzen Stimmprobe der Stimmklang überprüft. Folgende Kriterien sind für die Auswertung wichtig:

  • Lässt sich eine Dysphonie beobachten?
  • Liegt eine Dysarthrie vor?
  • Lässt sich ein abnormer Würgereflex beobachten?
  • Kommt es zu abnormem willentlichen Husten?
  • Hustet der Patient nach dem Schlucken?
  • Ist der Stimmklang nach dem Schlucken verändert?
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Bei zwei positiv beantworteten Fragen gilt der Wassertest nach Daniels als positiv – was in diesem Fall die Verdachtsdiagnose Dysphagie bedeutet.

Der Wassertest nach Daniels hat eine Sensivität von 92,7% und eine Spezifität von 66,7%. Damit erfüllt er die Kriterien der DGN.

Blau-Schluck

Bei Patienten, die mit einer Trachealkanüle versorgt sind, kann mit Hilfe eines sogenannten Blau-Schlucks Aspiration nachgewiesen werden.

Der Speichel des Patienten wird mit Hilfe von Toluidin-Blau eingefärbt. Alternativ kann dem Patienten auch ein Glas eingefärbtes Wasser zu trinken gegeben werden. Nach dem Schlucken wird der Patient durch die Trachealkanüle abgesaugt und dabei auf Verfärbungen geachtet. Das Absaugen wird in regelmäßigen Abständen wiederholt, damit auch verzögerte Aspiration erkannt werden kann.

Ist das Trachealsekret bläulich verfärbt, ist dies als Nachweis von Aspiration zu werten. Je nach Stärke der Färbung lässt sich auf die Menge an aspiriertem Speichel bzw. aspirierter Flüssigkeit schließen.

Damit der Blau-Schluck aussagekräftig ist, muss die Trachealkanüle entblockt sein, um eine weitgehend natürliche Situation zu schaffen. (Vgl. meine Antwort zu Schluckversuchen bei geblockter Trachealkanüle.)

Beobachtungen…

Steht keine FEES zur Verfügung, um den Schluckakt zu überprüfen, gilt es, den Patienten sehr genau zu beobachten. Nicht nur durch eine klinische Schluckuntersuchung. Entzündungszeichen und Fieber sind bei schluckgestörten Patienten häufig ein Hinweis auf Aspiration. Sofern also mit einer Oralisierung begonnen wurde, sollten regelmäßige Kontrollen von CRP und Temperatur erfolgen. Auch können bei einer Thoraxaufnahme Infiltrate in der Lunge nachgewiesen werden und lassen so Rückschlüsse auf Aspiration zu.

Grundsätzlich sind Beobachtungen allein keine Alternative zur FEES. Die Schaffung nötiger Strukturen in Kliniken für die Durchführung der FEES sind dringend erforderlich, um Dysphagie-Patienten adäquat versorgen zu können. Ambulante Patienten sollten in Kliniken und Schluckambulanzen untersucht werden können.

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